Diese antike Kommode mit Marmorplatte war früher ein klassischer antiker Waschtisch mit Marmorplatte – typisch für die Zeit um 1900, zwischen Historismus und Jugendstil. Der praktische Aufsatz diente zum Deponieren von Kleinteilen, die vier Laden bieten reichlich Stauraum. Typisch für solche Möbel ist die Marmorplatte mit Aufsatz. Der Aufsatz der Kommode ist überaus praktisch um Kleinteile darauf zu deponieren oder um kleine Kostbarkeiten zu präsentieren. Die Kommode besitzt vier Laden und bietet somit reichlich Stauraum.
Natürlich hat die Zeit bei diesem Waschtisch auch seine Spuren hinterlassen. Kleinere Furnierfehlstellen und seitliche Trockenrisse sind alterstypische Beschädigungen. Gefertigt wurde das hübsche Stück wohl um 1900. Das geradlinige Design erinnert an die beginnende Zeit des Jugendstil, jedoch sind die Füße typisch für die Zeit des Historismus. Doch jetzt zu der Frage …
Erbstück oder Sperrmüll?
Warum sich die Restaurierung oft nicht „rechnet“ – und warum die Kommode trotzdem wertvoller ist als jedes „Fast-Furniture“ Billigmöbel.Wir alle kennen sie: Die alte Kommode von Oma, die seit Jahrzehnten im Keller oder im Gästezimmer steht. Sie hat Charme, sie hat Geschichte – aber sie hat auch Macken. Das Furnier splittert, die Oberfläche ist stumpf, und der Zahn der Zeit hat ordentlich genagt.
Schnell stellt sich die Frage:
Lohnt sich eine professionelle Restaurierung?
Der bittere Realitätscheck: Was sagt der Geldbeutel?
Wenn Sie mit diesem Stück (einem Waschtisch aus der Zeit zwischen Historismus und Jugendstil, ca. 1890–1900) zu einem gelernten Restaurator gehen, kommt oft das Erwachen.
- Kostenvoranschläge: Eine fachgerechte Aufarbeitung – Furnier ergänzen, Oberfläche reinigen und neu Schellack-polieren oder wachsen – verschlingt schnell 200 bis 1.200 Euro an Arbeitszeit. Je nach Umfang der Aufarbeitung.
- Marktwert: Der aktuelle Marktpreis für solche unberührten Kommoden liegt oft nur bei ganz wenigen Euros – je nach Seltenheit, Hersteller und Gesamterhaltungszustand.
Das Fazit ist hart: Rein wirtschaftlich betrachtet übersteigen die Restaurierungskosten den Marktwert bei weitem.
Was ist eigentlich
„Fast Furniture?“
Um zu verstehen, warum dieses „unrentable“ Erbstück dennoch ein Schatz ist, muss man den Begriff Fast Furniture (Analog zu Fast Fashion) verstehen.
Es bezeichnet Möbel, die:
- Auf Schnelligkeit produziert sind: Günstige Materialien wie Spanplatten oder MDF mit einer dünnen Kunststoff-Folie.
- Kurzlebig sind: Sie überstehen kaum einen Umzug. Sobald eine Schraube aus der Spanplatte bricht, ist das Möbel meist Schrott.
- Wegwerfartikel sind: Die Nutzungsdauer beträgt oft nur 5 bis 10 Jahre.
Warum das „kaputte“ Erbstück trotzdem gewinnt
Orientieren wir uns an dem antiken Waschtisch auf unseren Fotografien – sie ist ein perfektes Beispiel. Obwohl sich die Profi-Restaurierung finanziell nicht „lohnt“, ist Ihre Kommode in Sachen Wertigkeit der Fast Furniture haushoch überlegen:
- Die Substanz: Ihr Stück hat einen Kern aus Massivholz. Selbst wenn das Furnier oben abplatzt, bleibt die Struktur stabil. Eine Spanplatte quillt bei Feuchtigkeit auf und zerfällt.
- Reparierbarkeit: Im Gegensatz zu Billigmöbeln kann man dieses Stück reparieren. Auch wenn der Profi teuer ist, lässt sich vieles mit etwas Geschick selbst machen (DIY-Restaurierung).
- Nachhaltigkeit: Die Kommode hat bereits 125 Jahre überlebt. In dieser Zeit wären wohl 15 Billig-Kommoden unseres gegenwärtigen Zeitalters auf dem Müll gelandet.
- Charakter: Die Mischung aus den gedrechselten Füßen der Gründerzeit und den schlichten Formensprache des Jugendstils erzählt eine Geschichte, die kein Massenprodukt kopieren kann.
Lohnt es sich also?
Wirtschaftlich? Oft nein. Ideell und ökologisch? Absolut.
Statt das Stück zu entsorgen, hilft oft eine „sanfte“ Auffrischung in Eigenregie: Reinigen, die stumpfe Oberfläche mit einer guten Möbelpolitur oder Antikwachs behandeln und die losen Furnierteile festleimen. So bleibt die Patina erhalten und das Möbelstück nutzbar, ohne das Budget zu sprengen.
Ihr Erbstück hat zufällig auch eine Marmorplatte?
Hier möchten wir unbedingt erwähnen, dass die Marmorplatte allein oft schon einen Wert hat, der die Kosten einer neuen Billigkommode übersteigt.
Natürlich nur unter der Voraussetzung, dass die Marmorplatte unbeschädigt ist. Ein Steinmetz könnte Wasserringe wegschleifen, abgebrochene Ecken und Kanten ordentlich einpassen und den Stein polieren und einlassen.
So einen Waschtisch in Einzelteilen versilbern?
Das soll jetzt kein Ansporn sein, eine vorhandene Marmorplatte vom Korpus zu trennen nur weil sich so ein Part vielleicht verkaufen lässt. Doch in diesem Fall sollte daran gedacht werden, dass es oft sehr lange dauert, genau den einen Interessenten zu finden, der genau dieses Möbelteil sucht. Auch Händler müssten ewig auf diesen einen Käufer warten, was nicht sehr wirtschaftlich wäre.
Häufige Fragen zur antiken Kommode Waschtisch mit Marmorplatte
Woran erkenne ich ob sich die Restaurierung einer antiken Kommode lohnt?
Entscheidend sind drei Faktoren: die Substanz des Holzes, der Zustand der Oberfläche und der emotionale Wert. Ist der Kern aus Massivholz noch stabil, lohnt sich zumindest eine sanfte Eigenreparatur mit Möbelpolitur, Antikwachs und etwas Leim — das erhält die Patina ohne großes Budget. Eine professionelle Restaurierung rechnet sich wirtschaftlich meist nur bei seltenen oder hochwertigen Stücken. Bei einer Kommode mit intakter Marmorplatte steigt der Wert zusätzlich — die Platte allein übersteigt oft den Preis eines neuen Billigmöbels.
Was ist der Unterschied zwischen einer antiken Kommode und Fast Furniture?
Antike Kommoden bestehen aus massivem Hartholz und sind nach 125 Jahren noch stabil und reparierbar. Fast Furniture aus Spanplatten oder MDF übersteht kaum einen Umzug und landet nach 5–10 Jahren auf dem Müll. Allein die Marmorplatte einer antiken Kommode übersteigt oft den Gesamtwert eines modernen Billigmöbels.Was ist die Marmorplatte einer antiken Kommode wert?
Eine unbeschädigte Marmorplatte hat einen eigenständigen Wert, der die Kosten einer neuen Billigkommode leicht übersteigen kann. Ein Steinmetz kann Wasserringe wegschleifen, abgebrochene Kanten einpassen und den Stein polieren — das lohnt sich oft mehr als der Kauf eines neuen Möbelstücks.Autor
Josef Schauberger
Antiquitätenhändler und Experte für Historismus-Möbel · Goethes Galerie, Österreich
Mit jahrelanger Erfahrung bewertet er Möbelstücke in Österreich, Deutschland, Frankreich und der Schweiz — auf Anfrage weltweit.
Mehr Einblicke in die Materie antiker Möbel und Antiquitäten erhalten Sie auf der Webseite der „Deutsche digitale Bibliothek„.
Bei Interesse an antiken Einrichtungsstücken können Sie sich in unserem Onlineshop einen Überblick verschaffen und alles Weitere gerne bei einem Besuch bei uns, in unserem Möbellager, erkunden.










